Sardis Verlag

Das Römische Reich 500 v. Chr.

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Dieser erste Ausblick auf unsere kommende nächste große Karte der antiken Welt ist zugleich ein Rückblick auf unsere Karte des Imperium Romanum im Zenith seiner Macht. Beide zeigen das Römische Herrschaftsgebiet und sein Umfeld, diesmal jedoch nicht 211 n. Chr, sondern in den letzten Jahren des 6. Jdhts. vor unserer Zeit.

Der gezeigte Ausschnitt ist im Maßstab 1:1.000.000 gehalten und wird als Einschub in die 1:5.000.000 Hauptkarte integriert werden. 

Erstmalig konnte in dieser Zeit der römische Staat die Vorherrschaft über das ganze ursprüngliche Latium (Latium Vetus) und die Küstenstreifen bis Tarracina südlich von Rom erringen. Dieses erste „Römische Reich“ war nur von kurzer Dauer, denn in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts wurde der Süden bis einschließlich Antium und Velitrae von den Volskern überrannt, während die Latiner im Osten von den Aequi bedrängt wurden. Für den Großteil des Jahrhunderts musste sich Rom an den Albaner Bergen verteidigen, während es eine Phase der Stagnation, des wirtschaftlichen Niedergangs und innerer Unruhen durchlebte. Erst mit der Eroberung der etruskischen Nachbarstadt Veii im Jahr 392 (Livius, Dionysius) sollte die eigentliche Expansion der römischen Macht beginnen.

Das südliche Etrurien und das ursprüngliche Latium an der Wende vom 6. zum 5. Jhdt. v. Chr. Die Karte wird als Einschubkarte auf unserem nächsten DIN A0 Poster enthalten sein. Änderungen aufgrund weiterer Recherchen, aus ästhetischen oder sonstigen Gründen sind möglich.

Das südliche Etrurien und das ursprüngliche Latium an der Wende vom 6. zum 5. Jhdt. v. Chr. Die Karte wird als Einschubkarte auf unserem nächsten DIN A0 Poster enthalten sein. Änderungen aufgrund weiterer Recherchen, aus ästhetischen oder sonstigen Gründen sind möglich.

Bedingt durch die spätere Bedeutung Roms wird auch diese Epoche umfangreich in der Antiken Überlieferung behandelt. Jedoch entstanden selbst die ältesten dieser Berichte erst Jahrhunderte nach dieser Zeit, als sich mit dem Aufstieg Roms griechische Autoren begannen, sich systematisch für die Geschichte der Stadt zu interessieren und bald darauf ebenso eine eigenen Römische Geschichtsschreibung einsetzte. Die damaligen Historiker versuchten, mit dem ihnen noch zur Verfügung stehenden Material, die frühe Geschichte Roms zu rekonstruieren und in eine kohärente Erzählung zu bringen. Wie gut ihnen das gelang und wie hoch der Wahrheitsgehalt ihrer Erzählung einzuschätzen ist, kann durch heutige Forscher, denen wesentlich weniger Material zur Verfügung steht, teilweise kaum noch verlässlich überprüft werden.

Auch die Archäologie kann nur teilweise zur Lösung dieser Fragen beitragen. So haben Ausgrabungen gezeigt, dass es sich beim archaischen Rom um einen wohlhabenden Stadtstaat mit einem monumentalen öffentlichen Bauprogramm handelte. Allem voran ist hier der große Kapitolinische Tempel zu nennen, dessen ergrabenen Fundamente, zusammen mit weiteren Architekturfragmenten, ins ausgehende 6. Jahrhundert datiert wurden. Mit eine Grundfläche von 63 m x 53 m war er zu dieser Zeit eines der größten Gebäude des gesamten Mittelmeerraumes. Die Grenzen der Archäologie zeigen sich jedoch dabei die Grenzen von Roms Macht und dessen innere Organisation aufzuzeigen.

Die Fundamente des Kapitolinischen Tempels, heute Teil der Kapitolinischen Museen (Foto: Michael Ditter).

Die Fundamente des Kapitolinischen Tempels, heute Teil der Kapitolinischen Museen (Foto: Michael Ditter).

Ein wichtiges Dokument zur Diskussion dieser Fragestellung ist der erste Vertrag zwischen Rom und Karthago, der jedoch nur in griechischer Übersetzung im Werk des um die Mitte des 2. Jhdts. v. Chr. schreibenden Historikers Polybios überliefert ist (Buch 3.22). Dieser datiert ihn in das erste Jahr der Republik, was jedoch gelegentlich angezweifelt wird. Gewichtiges Argument für dessen Authentizität ist das bereits für die Römer zu Polybios Zeit nur noch sehr schwer verständliche archaische Latein des Textes. Die wenigen erhaltenen Fragmente archaischen Lateins zeigen welche teils drastische Änderungen die Sprache in der Entwicklung hin zu ihrer klassischen Form durchlaufen hat. Dazu gehören prominente Dokumente wie die der ins 6. Jahrhundert datierte Inschriftenstein aus dem Volcanal unter dem Lapis Niger, sowie teils im Originalwortlaut überlieferte Fragmente des Zwölf Tafel Rechts aus der Mitte des 5. Jahrhunderts. Der römisch-karthagische Vertrag umreißt die Grenzen des römischen Machtbereichs, wie sie in der römischen Überlieferung für die letzten Jahre der Königszeit beschrieben werden, und wie ich sie auch in dieser Karte wiedergeben habe.

Lapis Niger, Museo Nazionale Romano - Terme di diocleziano (Foto: Michael Ditter).

Lapis Niger, Museo Nazionale Romano - Terme di diocleziano (Foto: Michael Ditter).

Die Pontinische Ebene

Im Südosten grenzt das latinische Gebiet an das ausgedehnte Marschland der pontinischen Ebene, welche seit der späten Republik in Schriftquellen auch auch als die pontinischen Sümpfe bezeichnet wird. Diese bildeten sich am Orteiner von Sedimenten verfüllten Lagune, welche durch den Dünengürtel zwischen Terracina und Circeii und das niedrige Bodenniveau schlecht in Richtung Meer entwässert. Erst in den 1930iger Jahren wurden die Sümpfe endgültig trockengelegt.

Noch in jüngerer Literatur findet sich die Annahme, dass es sich bei der pontinischen Ebene im 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeit, um ein weitgehend trockengelegtes, fruchtbares Siedlungszentrum gehandelt habe. So etwa Linoli [9]: „During the seventh and sixth centuries BCE, the Latins and Volscians founded numerous settlements in the area, consequently managing to control the waters (even partially), but with Roman occupation, the area declined. The Volsci were the first to undertake drainage works in the Pontine areas they inhabited, and to exploit the fertile lands for farming purposes... At that time therefore, the marshes – thanks to the works carried out by the Volsci – must have been limited to localised areas lying lower than sea level“.

Diese Hypothese setzt zwangsläufig voraus, dass es sich ausgerechnet bei den Volskern, die erst ab dem späten 6. Jahrhundert aus dem Landesinneren zur Küste emigrierten, um unübertroffene Meister der Entwässerung gehandelt haben müsste.

Neue archäologische Untersuchungen in den letzten Jahren [1], [7] haben gezeigt, dass diese Ansicht revidiert werden muss. Demnach war auch zum Zeitpunkt dieser Karte der Kern jenes Gebiets ein unbesiedeltes Marschland, welches nur Saisonal von Transhumanz Hirten genutzt wurde. Im von Krisen und Kriegen geplagten 5. Jahrhundert kam es, wie in ganz Latium und Südetrurien, zu einem Rückgang der Siedlungsaktivitäten.

Erst mit dem Bau der Via Appia und des sie begleitenden Decennovium Kanals begann eine Periode umfangreicher Siedlungs- und Reklamationsaktivitäten. Der Höhepunkt der landwirtschaftlichen Nutzung der Ebene lag demnach in der mittleren Republik, dem 3. und 2. Jahrhundert vor unserer Zeit. Erst in den beiden Jahrhunderten um die Zeitwenden wurden viele jener Siedlungen schrittweise aufgeben und das von den zeitgenössischen Autoren erwähnte Sumpfland kehrte zunehmend zurück.

 

Literatur

[1] P. Attema, T. de Haas, M. Termeer, Early colonization in the Pontine region (Central Italy), in: T.D. Stek & J. Pelgrom (eds), Roman Republican Colonization - New Perspectives from Archeaology and Ancient History, Papers of the Royal Netherlands Institute in Rome, vol. 62 (2014), 211-232.

[2] G.C.L.M. Bakkum, The Latin dialect of the Ager Faliscus: 150 years of scholarship, Amsterdam University Press (2009).

[3] F. Bubenheimer-Erhart, Die Etrusker, Phillip von Zabern (2014).

[4] G. Camporeale, Die Etrusker. Geschichte und Kultur, Artemis & Winkler (2003).

[5] F. Coarelli, Rom. Ein archäologischer Führer, Phillip von Zabern (2000).

[6] T. Cornell, The Beginnings of Rome: Italy and Rome from the Bronze Age to the Punic Wars (C. 1000-264 BC), Routledge History of the Ancient World (1995).

[7] T. de Haas, Fields, farms and colonists. Intensive field survey and early Roman colonization in the Pontine region, central Italy, Barkhuis as Groningen Archaeological Studies vol. 15 (2011).

[8] P. Hemphill, An Archaeological Survey of Southern Etruria, Expedition vol. 12.2 (1970), 31-39.

[9] A. Linoli, Twenty-six Centuries of Reclamation & Agricultural Improvement on the Pontine Marshes., in: C. Ohleg (Hrsg.), Integrated Land and Water Resources Management in History. Schriften der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft (DWhG), Sonderband 2 (2005), 27–56.

[10] F. Prayon, Die Etrusker: Geschichte - Religion - Kunst, C.H.Beck, 3durchgesehene Auflage (2003).

[11] S. Steingräber, Tarquinia: Stadt und Umland von den Etruskern bis in die Neuzeit, Phillip von Zabern (2012).

[12] N.J. Stillwell, R. MacDonald, W. L. McAlister, M. Holland, The Princeton encyclopedia of classical sites, Princeton University Press (1976).

[13] R. Talbert, Barrington Atlas of the Greek and Roman World, Princeton University Press (2000).

[14] B. Turner, T. Elliott et. Al., Pleiades - A community-built gazetteer and graph of ancient places, http://pleiades.stoa.org

[15] A.-M. Wittke, E. Olshausen, R. Szydlak, Der neue Pauly. Historischer Atlas der antiken Welt, Metzler (2007).