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Making Of: Imperium Romanum 211 AD

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Hier nun mein erster Post in unseren neuen Blog. In ihm möchte ich einen kurzen Abriss über die Entstehung der IMPERIUM ROMANUM 211 AD Karte geben.

Die Arbeit an dieser Karte begann effektiv bereits einige Jahre bevor der Entschluß viel, eine solche zu erstellen. Seit ca. 2005/2006 Google Earth veröffentlicht wurde begann ich damit, interessante antike Stätten im Luftbild zu suchen und zu markieren. Einige Jahre später arbeiteten wir an der Simulation der Ausbreitung der Antoninischen Pest, einer Pockenepidemie im Römischen Reich des letzten Drittels des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Dazu benötigten wir eine digitale Nachbildung des Verkehrsnetzwerks des Römischen Reiches und die der damit verbundenen Siedlungen.

Ausgangspunkt dafür bildete das Itinerarium Antonini, ein in seiner Endfassung aus dem späten 3. Jhdt. stammendes kaiserzeitlichem Straßenverszeichnis. In einem Itinerarium sind die Straßenstationen und die Entfernung zwischen ihnen in Form einer Liste wiedergegeben. Für die Lokalisierung dieser Stationen folgten wir weitestgehend der aktuellen bearbeitung durch Bernd Löhberg oder dem Pleiades Gazeteer. Wie in der obigen Abbildung erkennbar ist, umfasst das Itinerarium Antonini jedoch keineswegs das gesamte Straßennetz und lässt insbesondere einige sehr dicht besiedelte Regionen wie die Provinz Asia oder das bei seiner finalen Niederschrift bereits verlorenen Dacia. Die dortigen Routen und Stationen mussten von uns nach gleichem Muster aus der Literatur ergänzt werden.

Zusätzlich zum Straßennetz fügten wir ein zweifach gegliedertes Seeverkehrsnetzwerk hinzu. Ein Langstreckennetzwerk mit Routen und Reisezeiten, welche der antiken Überlieferung und modernen Abschätzungen entnommen wurden, sowie ein automatisch generiertes Kurzstreckenerzwerk. Allen Knoten des Netzwerks wurde sodann eine Bevölkerungsdichte zugeordnet.

Die ersten beiden Komponenten bildeten den Ausgangspunkt für die vorliegende Karte. Jedoch musste dazu die Auflösung der Wegpunkte über den typischerweise 30 km umfassenden Abstand zwischen den Stationen des Itinerariums verbessert werden und der genaue Straßenverlauf ermittelt werden. Außerdem waren weitere, sehr umfangreiche Ergänzungen nötig, um die Situation des gewählten Jahres 211 wiederzugeben, welche für die Simulation der Seuche nicht unbedingt erforderlich gewesen waren. Dazu gehörten neben einigen zu schließenden Lücken insbesondere Karavanen und Transhumanzwege in den Wüstenregionen und Straßen in dünn besiedelten Teilen des Reichs. Auch die Seewege wurden den in der Antike gebräuchlichsten Strecken angepasst.

Für die nächsten, arbeitsaufwendigsten Schritte war wieder ein umfangreiches Literaturstudium notwendig um die wichtigsten Städte jeder Provinz und zahlreiche weitere gewünschte Punkt- und Linearstrukturen zum Referenzzeitpunkt wie Staats- und Provinzgrenzen, Oasen, Legionslager, Grenzbefestigungen, Minen und Steinbrüche und deren genaue Lage zu ermitteln und in Vektordaten zu überführen. Gleiches gilt für die mit abgebildeten, das Imperium umgebenden Territorien fremder Staaten und Stämme. Wenn möglich wurden alle Koordinaten anhand von Satellitenbildern überprüft.

Das nächste Bild zeigt Beispielsweise einen Blick auf das römische Noviodunum, einst Vorort der Civitas Diablintum in der Provinz Gallia Lugdunensis, heute das Dorf Jublains.

Das Resultat ist im nächsten Bild wiedergeben. Die Auswahlkriterien und allgemeine Philosophie hinter der Karte sind in den zugehörigen Erläuterungen zu finden.

Damit war es nun möglich die eigentliche Karte zu erstellen, wozu das freie Geoinformationssystem (GIS) QGIS benutzt wurde. Nach Wahl einer geeigneten Projektion, welche den gewünschten Ausschnitt der Erdoberfläche möglichst verzerrungsfrei darstellt, galt es einen optisch attraktiven Hintergrund zu bauen.

Die Basis dafür bildeten die Geodaten und Landclass des Naturalearth Projektes. Der Landclass Layer kombiniert ein Abbild der natürlichen Vegetationszonen der Erde mit einem Blue Marble basierenden, angepassten Satellitenbild der Wüstenregionen.

An vielen Stellen weicht die Welt der Antike deutlich von der modernen ab. An signifikanten Stellen wurden daher die Geodaten, insbesondere Küstenlinien und Stauseen, an die antiken Gegebenheiten angepasst. im Bild ist etwa der seit der Antike durch die Einschwemmungen des Guadalquivir verlandete Lacus Ligistinus zu sehen.

Um einen dreidimensionalen Eindruck zu erzeugen wurde aus dem SRTM30 Datenset von USGS mit 1 km Auflösung ein schattenplastisches Höhenprofil des Mittelmeerraums errechnet.

Übereinandergelegt ergeben all diese Schichten eine Karte der römischen Welt des Jahres 211 n. Chr, welche noch abschließend mit einer Legende und weiterer Beschriftung versehen werden musste.